Anleitung zur Riesenkürbiszucht(abgeschrieben und geklaut von Janni Höllein)

Allgemeines zu Atlantic Giant
Im Jahre 2006 stellte der Amerikaner Ron Wallace einen neuen Weltrekord auf. Sein Kürbis wog sage und schreibe 682kg! Jetzt werden sich viele fragen: "Wie ist das möglich?" "Ist da Genmanipulation im Spiel?" Nein - es geht auch ohne Gentechnik! Die Riesenkürbiszüchterei wird auch in Deutschland immer populärer. Um jedoch Größen und Gewichte zu erzielen, die jenseits der 100kg, 200kg, ja sogar 400kg liegen, gibt es einige Grundregeln, die man beachten sollte. Es handelt sich dabei teilweise um ganz essentielle Maßnahmen, andere wiederum liegen im Ermessen des jeweiligen Züchters. Mit ganz normalem Saatgut aus dem Baumakt oder dem Gartencenter ist bei ca. 100kg Schluss. Das liegt einfach daran, dass für die wirklich schweren Exemplare auch die entsprechende Genetik vorhanden sein muss. In den 80iger Jahren tat sich da ein Züchter namens Howard Dill aus Canada hervor, der über Jahrzehnte seine Kürbisse ausschließlich auf Gewicht selektierte. Das Ergebnis war eine neue Kürbissorte namens "Atlantic Giant" (kurz "AG"), die sehr große und schwere Kürbisse hervorbringt. Wer große Kürbisse züchten will, kommt also an dieser Sorte nicht vorbei. Kürbissorten wie "Big Max", "Prizewinner" oder "Gelber Zentner" werden niemals ein hohes Gewicht erreichen und scheiden daher von vorneherein als wettbewerbsfähiges Saatgut aus.


Samenbezeichnung
Der Kern, den man pflanzt, sollte einen "Namen" haben. Warum? Ganz einfach, weil der Kern dann höchstwahrscheinlich von einem Züchter stammt und nicht aus irgendeiner Massenproduktion! Seitdem es diese schweren Zuchtlinien gibt, ist eine jährlich wachsende Zahl an Kürbiszüchtern dabei, durch gezielte Kreuzungen das Gewicht der AG`s zu erhöhen. Um die Genetik der Kerne einheitlich zu umschreiben, hat man sich weltweit auf folgende Abkürzungen geeinigt.

Hier mal ein Beispiel: 1502 Wallace 06 (1068 Wallace 03 x 1354 Checkon 04)

1502: die erste Zahl ist die genaue Gewichtsangabe in amerikanischen Pfund, hier 1502lbs, das entspricht ungefähr 682kg! (Umrechnungsfaktor: 1kg = 2,20lbs, 1lbs = 0,4536kg)

Wallace: Der Nachname des Züchters, hier: Ron Wallace, RI, USA

06: das Jahr, in dem der Kürbis gewachsen ist, hier 2006

Alle Kerne, die also aus dem Kürbis stammen, den der Züchter Wallace im Jahr 2006 gezüchtet hat, tragen die Bezeichnung: 1502 Wallace 06. Meistens werden auch noch die Eltern der Kreuzung angegeben, da sie Rückschlüsse auf den Stammbaum des Kernes zulassen:
(1068 Wallace 03 x 1354 Checkon 04)

1068 Wallace 03: bezeichnet an erster Stelle die Mutterpflanze, an der der Kürbis gewachsen ist (Mutter, Mutterpflanze, female)

1354 Checkon 04: ist die Pflanze, von der der männliche Pollen (Vater, male) stammt.

Wenn die Mutterpflanze mit eigenen Pollen (selbst) bestäubt worden wäre, würde der Klammerausdruck (1068 Wallace 03 x self) lauten, stammt der Pollen von einer anderen 1068 Wallace-Pflanze als der Mutterpflanze wäre es ein (1068 Wallace 03 x sib), letzteres (sib) kommt aber eher selten vor. Konnte eine Blüte nicht gezielt von Hand bestäubt werden, so erhält der Kern die Bezeichnung x open, also 1068 Wallace x open.

Weitere Bezeichnungen die manchmal in der Namensgebung erscheinen:
DMG "damaged" - beschädigt / gesplittet
UOW "unofficial weight" - keine offizielle Abwiegung (z.B. mit ungeeichter Waage)
EST "estimated" - Gewicht nur nach OTT-Methode (wird später noch erklärt) geschätzt, Kürbis wurde nicht gewogen

Ergänzend sei hier noch angemerkt, dass es sich bei den Riesenkürbissen überwiegend um solche mit den Farben cremegelb, gelb und orange im handelt.
Aber auch hier gibt es eine Ausnahme, die grünen Riesenkürbisse. Sie werden "Squash" genannt. In der Schreibweise der Bezeichnung wird denen ein Stern (*) angehängt, z.B. 667 Helbock 06* (471 Beachy* 04 x self)


Bodenvorbereitung
So wie die meisten Gartenpflanzen benötigt auch der Kürbis einen möglichst humosen, lockeren, nährstoffreichen Gartenboden. Das Beet (auch "patch" genannt) wird bereits im Herbst für die kommende Saison vorbereitet. Das A und O für einen schweren Kürbis liegt hier in der ausreichenden Zufuhr an organischer Substanz. Gut abgelagerter Stallmist (mindestens 1 Jahr alt), Kompost oder auch der Anbau von Gründüngungspflanzen reichern den Boden mit Humus an und bilden somit die Nährstoffgrundlage für das Wachstum. Häufig wird der Mist oder Kompost mit einer Gartenfräse auch erst im zeitigen Frühjahr eingefräst. Die Pflanzstelle der Kürbispflanze sollte tiefgründig gelockert werden. Den Boden kann man dort zusätzlich mit Blumenerde verbessern, um einen schnellen Wachstumsstart im Frühjahr zu gewährleisten. Ein solch vorbereitetes Beet wird ausreichend Nährstoffe für das Pflanzenwachstum nachliefern, so dass gegebenenfalls auf eine mineralische Düngung ganz verzichtet werden kann. Der optimale pH-Wert des Bodens liegt bei ca. pH 6,5 - 7. Liegt er darunter wäre eine Kalkgabe von Vorteil.


Keimung und Aussaat
Nachdem man Tage, Wochen ja sogar Monate den Beginn der neuen Kürbissaison entgegenfiebert, ist es jetzt soweit - die auserwählten Samen sollen keimen. Als erstes gilt es, den richtigen Zeitpunkt festzulegen. Da Kürbisse sehr wärmeliebende Pflanzen sind, und diese auch nur bei warmen Temperaturen keimen, werden die Samen im Haus vorgezogen. Erfahrungen von Züchterkollegen haben gezeigt, dass hier der Zeitraum von Mitte bis Ende April am günstigsten ist. Natürlich wäre es möglich, den Kürbissamen einfach in die Erde zu stecken, zu wässern und abzuwarten. Nun ist es aber so, dass man nicht unbegrenzt gutes Saatgut zur Verfügung hat (zumindest am Beginn einer Züchterkarriere). Deswegen wird auf eine kontrollierte Keimung des Samens geachtet.
Folgende Vorgehensweise hat sich sehr gut bewährt:
Der flache Samen wird umlaufend an der Nahtstelle der beiden Hälften mit einer Nagelfeile oder mit Sandpapier etwas angeschliffen. Das hat zur Folge, dass die Feuchtigkeit leichter in das Kerninnere eindringen kann und sich anschließend die wachsenden Keimblätter zügig aus der Samenschale befreien können. Aber Achtung: Nur am runden Ende des Samens feilen, bis die hellere Schaleninnenseite zum Vorschein kommt, niemals an dem spitzeren Kernende! Hier befindet sich im Samen der Keim, der auf gar keinen Fall verletzt werden darf. Nun wäre es noch wichtig, die Kerne zu markieren, damit diese später nicht verwechselt werden. Hier schreibt man die Samenbezeichnung mit einem wasserunlöslichen Filzstift (Permanent Marker) auf den Kern. Ist der Kern nun so vorbereitet, sollte dieser ca. 6-12 Stunden in lauwarmen Wasser quellen, um sich so mit der nötigen Feuchtigkeit anzureichern. Wurde auch diese "Hürde" genommen kann man zur eigentlichen Keimung schreiten. Man nimmt ein Papierküchentuch und rollt bzw. faltet den Kern damit ein. Der so eingepackte Samen wird nun etwas befeuchtet. Beim Zusammendrücken sollte kein Wasser aus dem Tuch tropfen, da sonst der Samen noch vor dem Keimen verfaulen kann. Nun wird dieses Paket in einen verschlossenen Zip-lock-Plastikbeutel aufbewahrt und warm gestellt. Die Temperatur sollte hierbei mindestens 26-28°C betragen, jedoch 30 °C nicht übersteigen. (Thermometer verwenden!) Nach 12 Stunden kann man schon mal überprüfen, ob der Keim bereits sichtbar ist. Ist dies nicht der Fall, alles wieder einpacken, weiter warm halten und alle 6 Stunden kontrollieren. Sobald sich nun die Wurzel zeigt, Papier entfernen und den Kern mit der Wurzel nach unten in bereits vorbereitete Töpfe pflanzen. Hier jedoch sehr vorsichtig vorgehen, da die Wurzel leicht beschädigt werden kann. Um die Samen auch jetzt noch zu unterscheiden, sollten die Töpfe vorher entsprechend beschriftet werden. Ein Gefrierbeutel, den man über den Topf stülpt und mit einem Gummiband fixiert, gewährleistet ausreichende Luftfeuchtigkeit bei gleichbleibender Raumtemperatur. Ganz wichtig ist nun, auf ausreichend viel Licht zu achten, damit die jungen Pflänzchen nicht zu lang werden ("vergeilen"). Ein Gewächshaus wäre hier optimal. Das rasante Wachstum beginnt nun. Sobald sich sie ersten Wurzeln an der Unterseite der kleinen Töpfe zeigen, sollte man es nicht verpassen, die Jungpflänzchen in größere dafür vorbereitete Töpfe/Eimer umzupflanzen. Eie Herstellung solcher Gefäße wurde bereits sehr anschaulich im Forum dokumentiert. Manche Züchter sparen sich das Umtopfen und stecken den vorgekeimten Kern gleich in etwas größere Töpfe. In ca. 2-3 Wochen sind Kürbispflanzen dann bereit, in das dafür vorbereitete Kürbisbeet ausgepflanzt zu werden. Man sollte sich hierbei auch im Klaren sein, dass eine Pflanze die möglicherweise eine Frucht von 100-400kg hervorbringen soll, entsprechend viel Platz braucht. Zwar wurden schon Kürbisse von 180kg auf 12m² gezüchtet aber generell sollte man wissen: Mehr Platz - größere Pflanze - größerer Kürbis. 20-30m² wären gut, 50m² pro Pflanze wären optimal. Beim Auspflanzen ist besondere Vorsicht angesagt! Da die Pflanzen in diesem Stadium noch sehr empfindlich gegen das Verdrehen bzw. Abknicken des Pflanzenstiels sind. Schon manchen Anfänger mussten hier herbe Rückschläge einstecken. Gerade deshalb sollte man vorausschauend denken und auch ausreichend Reservepflanzen heranziehen. Die Wuchsrichtung des späteren Haupttriebes ist ebenfalls eine Konstante, die bereits beim Auspflanzen berücksichtigt werden muss. Dieser wächst in 9 von 10 Fällen in die entgegengesetzte Richtung des ersten "echten" Blattes. (erstes "echte "Blatt = das erste, das nach den beiden ovalen Keimblättern erscheint)


Düngung und Bewässerung
Viele Kürbisse, die plötzlich Risse bilden ("Splitten") oder gänzlich zerplatzen, reagieren damit auf Schwankungen in der Wasserversorgung. Tatsächlich sind Wolkenbrüche nach einer Trockenphase oder plötzliche hohe Temperaturen nach einer kühlen Periode die Hauptursache für den Verlust von Früchten. Man sollte also irgendwie versuchen, den Gartenboden gleichmäßig feucht zu halten. Idealerweise verwendet man immer leicht angewärmtes Regenwasser zum Gießen. Viele passionierte Riesenkürbiszüchter bewässern ihre Pflanzen mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen, andere wiederum begnügen sich mit einem Schlauch oder der Gießkanne. Nach Möglichkeit gießt man unter die Blätter, da dies später den Befall von Mehltau fördern kann. Wenn jedoch nur eine Gießmethode über die Blätter möglich ist (z.B. Sprinkler), sollte man den Zeitpunkt so wählen, dass die Blätter möglichst schnell wieder abtrocknen können, ohne der prallen Mittagssonne ausgesetzt zu sein. Der frühe Morgen wäre hierbei optimal. Soll die Pflanze zusätzlich mit Nährstoffen versorgt werden, kann dies auch über das Gießwasser geschehen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten und eine Überdüngung unbedingt zu vermeiden. Mineraldünger, die in fester Form ausgebracht werden stellen eine weitere Möglichkeit dar, die Nährstoffversorgung zu optimieren. Der Landhandel bietet hier eine Vielzahl von Düngemitteln an, meist so genannte Volldünger, die alle wichtigen Nährstoffe enthalten. Die wichtigsten Nährstoffe für die Pflanzen sind Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K) und Kalzium (Ca). Sie werden deshalb auch Hauptnährelemente genannt und finden sich auf dem Düngesack in Form von Zahlen wieder. Ein Volldünger mit der Bezeichnung 15+15+15+2 enthält dann 15 %N, 15% P, 15%K und 2% Ca.


Bestäubung
Jede Kürbispflanze bildet während ihres Wachstums weibliche und männliche Blüten. Soll ein Kürbis heranwachsen, so muss der Pollen der männlichen Blüte auf die weibliche Blüte gelangen, damit sich aus dem Fruchtknoten eine Frucht bilden kann! In der Natur bewerkstelligen dies in der Regel die Bienen. Um jedoch wertvolles Saatgut zu erhalten, bei dem man die Gene (Stammbaum) nachweisen kann, ist eine kontrollierte Bestäubung wichtig. Hierbei kann der Züchter Einfluss auf die nächsten Generationen dieser Zuchtlinie nehmen und Saatgut von Kürbissen mit besonderen Eigenschaften selektieren (Farbe, Form und Gewicht) Für den Anfänger ist es wichtig zu wissen, dass sich die gezielte Bestäubung der weiblichen Blüten erst auf die Pflanzen auswirkt, die dann aus der Kernen der bestäubten Frucht wachsen! Das heißt, der "Mini-Kürbis", der sich bereits hinter der weiblichen Blüte befindet, hat bereits alle Gene, die Form und Farbe und Gewicht des späteren Kürbis bestimmen. Diese Komponenten werden für diese Frucht durch die Bestäubung nicht mehr verändert. Auch ein "open" bestäubter Kürbis kann ein Rekordgewicht haben!
Bei der gezielten Bestäubung geht man wie folgt vor:
Weibliche und männliche Blüten, die sich vermutlich nächsten Tag in der früh öffnen werden, sollten am Vortag bereits so verschlossen werden, dass keine Insekten an die Pollen der männlichen und dem Blütenstempel der weiblichen Blüten gelangen. Am Morgen des nächsten Tages kann dann die Bestäubung von Hand vorgenommen werden. Nach dem Entfernen der Schutzeinrichtungen über den Blüten schneidet man zunächst die männlichen Blüten (wenn möglich 2-5 Stck.) ab, entfernt die Blütenblätter und tupft bzw. rollt den männlichen Pollenstempel vorsichtig über die weiblichen Blütennarben, bis diese rundum gleichmäßig mit Pollen bedeckt sind. Nun wird die bestäubte Blüte wieder vorsichtig verschlossen. (bereits jetzt darauf achten, dass der Fruchtansatz hinter der Blüte nicht verletzt wird) Nun wird alle paar Tage eine weibliche Blüte bereit sein, bestäubt zu werden. Man sollte versuchen, möglichst viele Blüten zu bestäuben um dann später diejenige zu selektieren, die am besten wächst. Ab diesen Zeitpunkt sollte man auch mit der schriftlichen Dokumentation beginnen. (Datum der Bestäubung, Welche Blüte mit wem bestäubt wurde usw.)


Pruning und Layout der Pflanze
Die Kürbispflanze wächst (bildlich gesehen) tannenbaumförmig und hat einen Platzbedarf von 50 m² und mehr. Das heißt, der Haupttrieb wächst gerade am Boden liegend in eine Richtung (ca. 6-8m) und bildet ca. alle 20cm ein Blatt und einen Seitentrieb, der abwechselnd einmal rechts und einmal links zur Seite wächst. Diese Triebe nennt man "Sekundärtriebe". Sie sind sehr wichtig, da sie den Haupttrieb gegen Verdrehen und Umfallen stützen. Zusätzlich werden Nährstoffe und Wasser aus den Wurzeln aufgenommen werden, die sich bei jeder Blattbasis an den Haupt und Seitentrieben bilden. Einige Züchter graben deshalb diese Triebe auch ein, um das Anwurzeln zu erleichtern. An den Sekundärtrieben wachsen wiederum an jeder Blattbasis Seitentriebe, die sog. "Tertiärtriebe". Diese sind für nichts nützlich und sollten bereits im Jungstadium abgeschnitten werden. Auch hier sind bereits recht anschauliche Dokumentationen mit Bildern im Forum zu finden.


Fruchtauswahl
Hat man nun das Glück, einige Blüten erfolgreich bestäubt zu haben, setzt unmittelbar ein rasantes Wachstum der Frucht ein. In diese Phase sollte man genau beobachten, wie sich das Wachstum der Früchte verhält. Bereits zu diesem Zeitpunkt sollte man vorausschauend denken, ob die Frucht auch die richtige Lage an der Ranke hat. Diese sollte möglichst im rechten Winkel zur Ranke liegen. Diesbezüglich kann man auch vorsichtig etwas nachhelfen. Hier sei gesagt, vorsichtig heißt, den kleinen Kürbis nur wenige Millimeter täglich von der Ranke wegzubewegen. Der Fruchtstängel ist sehr empfindlich. Wird Dieser überdehnt, bricht der Fruchtstängel mit einem "knack" und die Frucht ist verloren. Um die auserwählte Frucht vor dem Erdreich, Steinen, Schnecken und Mäusefraß zu schützen, sollte man eine Unterlage verwenden. Hierbei haben sich Platten aus Holz, PVC, Styropor oder Hartschaum bewährt. Haben dann die Früchte etwa Fußballgröße erreicht, steht eine schwere Entscheidung an. Um einen "Big-one" zu erhalten, darf nur eine Frucht an der Pflanze bleiben. Hierbei hilft die Beobachtung der letzten Tage.
Hier einige entscheidende Kriterien:

- Die Frucht soll vorzugsweise am Haupttrieb wachsen
- Sie soll min. 3m von der Pflanzstelle entfernt sein
- Lage der Frucht sollte möglichst einen Winkel von 90° zur Ranke aufweisen
- Die Frucht ist durch schnelles Wachstum positiv aufgefallen
- Fruchtform ist symmetrisch und hat keine sonstigen Verletzungen

Hat man sich für eine Frucht entschieden, werden alle anderen abgeschnitten, auch wenn es einem schwer fällt. Ab diesem Zeitpunkt wächst dann der Kürbis rasant.
Nun konzentriert sich alles darauf, der Frucht möglichst gleichbleibende gute Wachstumsbedingungen zu geben. Wird die Frucht größer, sollte sie beschattet werden um eine schnelle Alterung zu verhindern. Dem Einfallsreichtum des Züchters sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Konstruktion sollte ausreichend groß bemessen werden und die Frucht auch vor anderen Witterungseinflüssen wie Starkregen oder Hagel schützen.


Gewichtschätzung
Sieht man nun seinen Prachtkürbis auf dem Feld wachsen stellt man sich zwangsläufig die Frage: "Wie schwer wird er denn schon sein???"
Nun da gibt es eine relativ einfache Methode, dies zumindest annähernd zu ermitteln. Es handelt sich um die sog. "OTT Methode". OTT (Over-The-Top) ist eine 3-fache Vermessung des Kürbis. Bei relativ geometrisch geformten Früchten erhält man einen recht guten Richtwert, wie schwer dieser aktuell ist. Die OTT- Tabellen aus den USA sind das Ergebnis jahrelanger Vermessungen an hunderten von Früchten mit dem Ziel, eine möglichst gute Annäherung an das tatsächliche Kürbisgewicht zu erreichen. Diese Tabellen sind auch hier im Forum im Download-Bereich verfügbar.

Wert 1:
Ein Maßband liegt von links nach rechts mittig über der Frucht. Gemessen wird der Abstand von links nach rechts, immer ab Bodenniveau.
Wert 2:
Nun wird das Maßband von der Frontseite der Frucht (Blüte) mittig zur Stielseite geführt, gemessen wird wie im ersten Schritt die Distanz ab Bodenniveau. Wichtig ist jeweils, das Band gerade auf den Boden anliegen zu lassen und nicht unten um den Kürbis zu führen.
Wert 3:
Zuletzt wird der Umfang gemessen. Man legt das Maßband hinten über den Stiel und führt es nach vorne unterhalb der Blüte. Wichtig ist, das Band etwa im Bereich des größten äußeren Radius (in der Regel im unteren Kürbisbereich) anzulegen.

Nun liegen 3 Werte in cm vor, die addiert werden. Die Gesamtsumme in cm ist der Wert, der in der Tabelle dem Gewicht zugeordnet wird. Regelmäßiges Messen in der Hauptwachstumszeit ab August verschafft einen guten Eindruck, ob und wie schnell sich die Frucht entwickelt und es sich überhaupt lohnt, diese an der Pflanze zu belassen.


Ernte
Naht der Herbst stellt sich die letzte Herausforderung für jeden Kürbiszüchter - die Ernte. Die Frucht wird mit einem scharfen Messer etwa 30cm vom Ansatzpunkt von der Ranke getrennt. Hat man einen ganzen Sommer seinen Kürbis gepflegt, gegossen und beschattet, läutet dieser Akt unwiderruflich das Ende einer Saison ein und fällt deshalb nicht immer leicht. Ein Kürbis mit 50kg zu ernten ist noch eine einfache Übung. Hat das Prachtexemplar allerdings die 200kg Marke überschritten, wird es weitaus schwieriger. Manche Züchterkollegen legen bereits zu Wachstumsbeginn eine Palette unter die Frucht, um dann im Herbst den Kürbis mit einem Traktor oder ähnlichem Gerät aus dem Feld zu befördern. Besteht diese Möglichkeit nicht muss eben die Manneskraft zum Einsatz kommen. Weisen sie unbedingt ihre Entehelfer darauf hin, den Kürbis niemals am Stil anzuheben, da dieser sofort abbricht. Wenn von Hand geerntet wird, ist ein Tragenetz oder Tragetuch mit Haltegriffen Gold wert, denn selbst vier oder fünf starke Männer tun sich sonst sehr schwer den Kürbis überhaupt irgendwie zu fassen! Bei wirklich schweren Exemplaren bleibt nur noch die Ernte mit technischem Gerät. Mit einem stabilen Dreibeingestell und einem Flaschenzug könnte der Kürbis angehoben und auf eine Palette abgelegt werden. Häufiger werden so genannte "lifting rings" verwendet. Sie werden an den Frontlader gehängt und bestehen aus einem massiven Eisenring und mehreren Haltegurten. Überhaupt ist jedem der Transport seiner Kürbisse auf Europaletten anzuraten, damit beim Wettbewerb schnell auf und abgeladen werden kann. Grundsätzlich ist bei allen Ernteverfahren und dem weiteren Transport eines sehr wichtig: Die Frucht darf auf keinen Fall schwerwiegend verletzt werden. Dies führt bei den sog. "weigh offs", wie das Kürbiswiegen bei den Amerikanern genannt wird, zwangsläufig zur Disqualifikation. (Der Kürbis erhält wie oben schon erwähnt zusätzlich die Bezeichnung DMG= damaged)


Das Glück
Zusammenfassend braucht man eigentlich nur fünf Dinge, um einen wirklich schweren Kürbis zu züchten:
1. Glück
2. das richtige Saatgut
3. einen grünen Daumen
4. ausreichend Platz
5. kürbisfreundliches Wetter

Das Glück - es steht ganz bewusst an erster Stelle dieser kleinen Auflistung. Von der Aussaat des Kernes bis zur Ernte der Frucht kann nämlich allerhand passieren. Erfolg und Misserfolg liegen bei der Riesenkürbiszüchterei sehr nahe beieinander. Einen Kürbis zu ernten, der vielleicht mehr als 200kg wiegt, noch dazu allen Wetterextremen wie Hitze, Trockenheit, Unwettern mit Hagel, gefräßigem Getier und Krankheiten wie dem Mehltau standgehalten hat, machen jeden Züchter zurecht ein wenig Stolz. Auf der anderen Seite sei allen, die sich an dieses "Riesenkürbisexperiment" heranwagen gesagt: "Lasst euch niemals entmutigen, gebt niemals auf and "Grow`em Big!"